Tracktest: Renault Sport R.S. 01

Der Renault Sport R.S. 01 ist ein Außenseiter. In keine Rennserie passt der französische Rennwagen so richtig rein. Auch der eigene Markenpokal wurde nach wenigen Jahren wieder eingestampt. Das Umbau-Kit zum GT3-Reglement wird nur schleppend angenommen. Schade! Denn der Renault ist ein richtiges Beast...

Während in Deutschland der erste Schnee vom Himmel fällt, genieße ich nicht nur die letzten Sonnenstrahlen in Spanien: Tracktest mit dem Renault Sport R.S. 01 auf der Formel-1-Teststrecke in Jerez de la Frontera. Schon beim ersten Anblick schlägt das Herz jedes Motorsport-Fans höher. Gerade einmal 1,12 Meter ist der Rennwagen hoch, der Heckflügel hingegen riesig. Das Kohlefaser-Monocoque kommt vom italienischen Rennwagenbauer Dallara und sorgt dafür, dass der R.S. 01 schlappe 1100 Kilogramm auf die Waage bringt. Leistungsmäßig liegt der Renault zwischen GT3-Rennwagen und DTM-Boliden.

 

Langsam bekomme ich schwitzige Hände. Rennoverall an, Helm auf, ins Cockpit klettern. Dann geht es los: Per Knopfdruck erwacht der 3,8-Liter-Biturbomotor mit einem satten Sound zum Leben. Das V6-Aggregat stammt aus dem Nissan GT-R und leistet rund 550 PS. Die erste Erleichterung schon vor dem Start: Das dritte Pedal sucht man vergeblich. Eine Fliehkraftkupplung erleichtert das Anfahren. Abwürgen? Fehlanzeige. Langsam bewegt sich der Renault aus der Boxengasse. In den ersten Runden müssen Slick-Reifen und Carbonbremsen auf Temperatur gebracht werden. Nur nicht übertreiben und sich langsam mit dem ungewohnten Fahrzeug vertraut machen.

 

Aber: dritter Gang, vierter Gang, fünfter Gang. Das Vertrauen in den Renault Sport R.S. 01 ist sofort vorhanden. "Du wirst merken, wie einfach sich der Rennwagen fahren lässt. Leichter als dein Auto zuhause in der Garage", erinnere ich mich an die Worte von Formel-1-Testfahrer Pierre Gasly, der mich zuvor mit den Knöpfen im Cockpit vertraut gemacht hat. Das Grinsen unter meinem Helm ist riesig. In jeder Runde steigere ich die Geschwindigkeit. Die Belastungen auf den Körper sind groß, beim Bremsen kann ich meinen Kopf kaum halten und werde in die Gurte gepresst.

 

Die Umgebung fliegt nur so vorbei. Und doch komme ich mir vor wie an der Playstation. Paddleshift sei Dank. Ohne groß zu überlegen, bremse ich mit dem linken Fuß. Langsam versuche ich den Rennwagen an seine Grenzen zu bringen – und provoziere ein Ausbrechen des Hecks. Gar nicht so einfach. Selbst in den Kurven liegt der kernige Franzose wie ein Brett auf der Strecke. Denn der Anpressdruck des Renault Sport R.S. 01 ist gewaltig. Bei seiner Höchstgeschwindigkeit von 300 Stundenkilometern generiert er schon die gleichen Abtriebswerte wie ein Bolide der Formel Renault 3.5.

 

Bodenwellen schluckt der Renault ohne Probleme, wird dabei nur leicht unruhig. Die Sitzposition ist tief und ungewohnt. Typisch Rennwagen eben. Aber doch einfach zu bedienen. Nach wenigen Runden ist Schluss, der Ingenieur winkt mich mit der Boxentafel zurück. Schade. Ich hätte ewig weiterfahren können ...

Technische Daten

>> Renault Sport R.S. 01
Motor V6, Biturbo
Hubraum 3799 ccm
Leistung 404 kW (550 PS)
Antriebsart Hinterrad
Getriebe Sechsgang, sequentiell
L/B/H in mm 4710/2000/1116
Reifen (vorn, hinten) ?

Gewicht

1120 kg
Beschleun, 0-100 km/h 2,9 s
Höchstgeschwindigkeit 300 km/h
Preis 353.430 Euro

 

 


Fotos: Renault Sport