Tracktest: Audi TT cup

Dass aus Ingolstadt nicht nur Straßenautos, sondern auch gute Rennwagen kommen, hat Audi bereits bewiesen. Auf DTM-Audi und LMP1-Rennwagen folgte der GT3-Bolide. Im vergangenen Jahr komplettierte dann ein neuer Markenpokal-Renner die Motorsport-Phalanx der Ingolstädter. Der Audi TT cup ermöglicht den professionellen Einstieg in den Motorsport, die erste Stufe aus dem Kartsport. Denn der Cup-TT ist ein echtes Rennauto. Ideal für Einsteiger, aber trotzdem anspruchsvoll zu fahren. AUTO BILD SPORTSCARS durfte den Selbsttest machen.

 

Per Knopfdruck erwacht der Zweiliter-TFSI-Motor mit 228 kW (310 PS) zum Leben. Ein Kreischen, ein Hämmern. So muss sich ein Rennwagen anhören. Ungewöhnlich aber: Das Turbo-Aggregat stammt aus dem Serien-TT. Einzig die Software der Motorsteuerung wurde verändert und das Getriebe angepasst. Weitere Änderung: Im Vergleich zum Serienauto hat der Rennwagen keinen Allradantrieb, die Kraft wird lediglich über die Vorderachse auf den Asphalt gebracht. Nicht nur deshalb ist der Rennwagen mit 1.125 Kilogramm rund 260 Kilogramm leichter als der Serienpartner: Das Cockpit ist leergeräumt, alle überflüssigen Verkleidungen wurden entfernt. Wie es sich für einen echten Rennwagen gehört.

 

Und Audi hat nicht nur ein schnelles, sondern auch ein sicheres Rennauto gebaut. Der Sicherheitssitz aus Vollkarbon, der bei Audi die interne Bezeichnung "PS1" trägt, wurde eigens für den Audi R8 LMS entwickelt und hat nun auch seinen Platz im Renn-TT gefunden. Er wurde im Vergleich zur Serie 60 Millimeter weiter zur Fahrzeugmitte verlegt, um den Fahrer bei einem Seitenaufprall besser zu schützen. Das Feuerlöschsystem kommt auch in der DTM und im LMP1-Rennwagen zum Einsatz. Das gibt Vertrauen.

 

Schon die ersten Runden auf der Audi-Teststrecke in Neuburg laufen wie geschmiert. Der Audi TT cup vermittelt schnell Vertrauen und lässt sich spielerisch um den Kurs bewegen. Die Umgebung rauscht vorbei, der erste Bremspunkt fliegt heran. Aber die Bremse will getreten werden – und zwar richtig! Im Idealfall sogar mit dem linken Fuß. Das Heck wird leicht, der Audi schwimmt auf. Der Renn-TT will getrieben werden, aber nicht zu hart. Eine aggressive Fahrweise wird schnell mit Untersteuern bestraft.

Der Clou: Per "Push-to-Pass"-Funktion lassen sich für rund zehn Sekunden weitere 22 kW (30 PS) abrufen. Im Einzelfahren kaum spürbar, aber im Zweikampf mit der Konkurrenz ein Vorteil. Das beschert dem Audi Sport TT Cup packende Rennen mit zahlreichen Überholmanövern. So wie auch am zweiten Mai-Wochenende in Hockenheim. Da startete der Markenpokal im Rahmen der DTM in seine zweite Saison. Wieder mit von der Partie: Dennis Marschall (19). Der Deutsche war schon im Vorjahr am Start und beendete die Saison als bester Tourenwagen-Rookie auf Gesamtrang drei. 2016 soll endlich der Titel her. Dabei startet Marschall im Design von AUTO BILD SPORTSCARS.

 

Für aufsteigende Nachwuchstalente ist der Rennwagen genau richtig. Das hat auch die noch junge Geschichte des Markenpokals gezeigt. Mit dem Dänen Nicolaj Møller Madsen (22, Blancpain GT Serie), der Schwedin Mikaela Ahlin-Kottulinsky (23), dem Niederländer Loris Hezemans (18) und dem Finnen Emil Lindholm (19, alle ADAC GT Masters) haben bereits vier junge Piloten den Sprung in den GT-Sport geschafft. Das wollen auch die 20 permanenten Starter der neuen Saison, Talente im Durchschnittsalter von 20 Jahren. Und Audi hat ihnen mit dem TT cup eine ideale Möglichkeit dafür geschaffen.