Erfahrungsbericht: Audi Sport TT Cup

Mittwoch, 25. Mai 2016

Drei Tage vor dem Start des legendären 24-Stunden-Rennens auf dem Nürburgring. Tausende Fans machen sich auf den Weg in die Eifel oder haben rund um die Nordschleife bereits ihre Zelte für das Wochenende aufgebaut und bezogen. Auch ich bin auf dem Weg zum Nürburgring. Für den Saisonhöhepunkt des Jahres habe ich allerdings keinen Kopf. Auf Einladung von Audi Sport werde ich an diesem Wochenende selbst ins Renncockpit klettern. Als Gaststarter darf ich im Audi Sport TT Cup an den Start gehen. Vorfreude mischt sich mit Aufregung, es kribbelt im Bauch wie bei der ersten großen Liebe. Bereits am Mittwoch ist mein Zeitplan eng gestrickt. In meinen frisch lackierten Helm, der wenige Tage vor dem Rennen wieder in meinen Händen war (Danke an helmade!), möchte ich noch Funk einbauen lassen. Am Abend steht zudem die Fahrerbesprechung und ein gemeinsamer Trackwalk mit allen Fahrern und Coach Marco Werner auf dem Programm.

 

Als ich wenig später am Nürburgring ankomme und zum ersten Mal meinen Rennwagen für das Wochenende sehe, fängt mein Herz an zu rasen. In rot, schwarz und silber steht er vor mir: der Audi TT cup. Auf der Fronthaube und an der Dachkante steht mein Name. Liebe auf den ersten Blick. Dabei ist das Auto für mich nicht unbekannt. Wenige Tage zuvor musste ich auf der Audi-Strecke in Neuburg mit dem Audi R8 und dem Cup-TT beweisen, dass ich für einen Gaststart überhaupt geeignet bin. Außerdem durfte ich den 310-PS-starken Markenpokal-Renner bei einem Tracktest in März schon einmal ausführen. Meine internationale Lizenz musste ich vorab natürlich auch machen. Audi hat bei der Vorbereitung alles im Griff, nichts bleibt unbedacht. Zurück zum Nürburgring: Nach der Fahrerbesprechung am Mittwochabend drehen wir gemeinsam mit allen Piloten noch eine Runde auf der Rennstrecke. Coach Marco Werner gibt hilfreiche Tipps zu Brems-- und Einlenkpunkten. Am späten Abend falle ich erschöpft ins Bett, morgen geht's endlich los. Trotz Vorfreude und Aufregung schlafe ich direkt ein.

Donnerstag, 26 Mai 2016

Der Tag beginnt früh, um 10 Uhr steht bereits das Freie Training auf dem Programm. Zuvor geht's zum Frühstück in die Audi-Hospitality sowie zum letzten Fahrerbriefing mit Marco Werner. Etwa 30 Minuten vor Beginn der Session sitzen wir schließlich in unseren Autos, Aufregung macht sich breit. Im 50-minütigen Training versuche ich mich zunächst mit den Gegebenheiten vertraut zu machen. Obwohl ich den Cup-TT bereits kenne, ist der Renneinsatz am Nürburgring etwas Neues für mich. Ich versuche, den permanenten Startern so gut es geht aus dem Weg zu gehen und mich trotzdem langsam an das Limit heran zu tasten. Am Ende des Freien Training steht für mich lediglich ein 19. Platz zu Buche, rund 4,3 Sekunden hinter der Bestzeit von Nicklas Nielsen. Ein bisschen Enttäuschung macht sich breit. "Bin ich wirklich so schlecht?"

 

Gemeinsam mit Rennprofi Marco Werner und Rolf Volland, der selbst als Motorsportler im Rallyecross erfolgreich war, geht's an die Datenanalyse. Allen Teilnehmern stehen sowohl die eigenen Datenaufzeichnungen, als auch die des besten Piloten zur Verfügung. Alles wird erfasst und aufgezeichnet: Gas- und Bremspedalstellung, Lenkwinkel, Gänge, Drehzahlen, etc. Hier wird deutlich, wo ich am meisten Zeit verliere: beim Bremsen. "Du musst später und vor allem härter bremsen", verrät mir Volland. Dabei kam es mir im Training bereits so vor, als würde ich das Bremspedal durch das Bodenblech treten. Außerdem kann ich ein paar Kurven noch in anderen Gängen fahren und mehr Schwung aus den engen Ecken mitnehmen. Wenigstens mit der Ideallinie ist der Profi zufrieden.

 

Nach weiteren Meetings und Besprechungen steht am Abend um 18 Uhr schon das Qualifying auf dem Programm. Ich bin zuversichtlich, dass ich die Änderungen und Tipps umsetzen kann und gehe deutlich entspannter in das 30-minütige Zeittraining. Die Aufregung des Vormittags ist nun der Vorfreude gewichen. Ich merke schon in den ersten Runden, dass sich der veränderte Fahrstil positiv auf die Rundenzeit auswirkt. Das Grinsen unter meinem Helm ist riesig, die Unsicherheit aus dem Training ist verschwunden. Ich habe Spaß am Fahren und mache im Verlauf des Qualifyings weitere Fortschritte. Als ich im Parc Fermé aus dem Audi klettere, weiß ich noch nicht, welchen Startplatz ich erreicht habe. Die positiven Nachrichten und Glückwünsche auf meinem Handy lassen jedoch ahnen, dass ich mich steigern konnte. Wenig später erfahre ich, dass ich mich im Vergleich zum Training um rund 2,5 Sekunden verbessert habe und weniger als zwei Sekunden hinter der Polezeit von Dennis Marschall zurückliege. Für das erste Rennen am Samstag bedeutet dies Startplatz 14, am Sonntag starte ich vom 15. Rang. Sechs Piloten konnte ich hinter mir lassen, davon vier der permanenten Starter. Wahnsinn! Die größte Sorge, ich würde nicht mithalten können und meilenweit hinterher fahren, bestätigt sich nicht. Abends falle ich zufrieden ins Bett.

Freitag, 27. Mai 2016

Der Wecker klingelt um 7 Uhr, länger hätte ich vor lauter Vorfreude ohnehin nicht schlafen können. Dabei sind es noch fünf Stunden bis zum ersten Rennen. Das Frühstück ziehe ich ein bisschen in den Vormittag hinein, denn das Rennen startet um 11:55 Uhr pünktlich zur Mittagszeit. Gegen halb elf wird es schließlich ernst. Wir machen uns von der Hospitality auf den Weg zum Audi-Zelt, wo unsere Autos stehen. TT-Cup-Projektleiter Philipp Mondelaers und Coach Marco Werner halten ein letztes Briefing, gemeinsam gehen wir noch einmal das Startprozedere durch. Um 11:10 Uhr klettern wir in unsere Rennwagen, machen uns bereit für das erste Rennen. Fast dreißig Minuten warten wir noch im Fahrerlager, ehe wir in die Startaufstellung fahren dürfen. Dann geht alles ganz schnell: Aufgrund des engen Zeitplans beim 24h-Rennen stehen wir nur kurz im Grid, bevor die Einführungsrunde beginnt. Ich fahre die Reifen warm und bringe die Bremsen auf Betriebstemperatur.

 

Auf dem Startplatz angekommen, rolle ich so weit es geht nach vorne - denke ich zumindest. Erst nach dem Rennen verrät die Wiederholung, dass ich durch die tiefe Sitzposition rund eineinhalb Meter in der Startbox verschenkt habe. Selbst vielen der permanenten Startern ergeht es nicht besser, der Cup-TT ist ein richtiger Rennwagen. Die Startampel leuchtet auf, eine rote Lampe nach der anderen. Während der linke Fuß auf der Bremse steht, bringe ich den Motor bereits auf Drehzahl. Dann geht's los! Ich erwische einen guten Start, kann meine Position halten und sogar dem Vordermann Druck machen. Trotzdem versuche ich mich aus allem Durcheinander heraus zu halten. Im Augenwinkel sehe ich, wie Gastfahrer Richard Meaden, ein Journalist aus England, umgedreht wird. Damit bin ich auf Platz eins in der Gastfahrer-Wertung! Innerlich bin ich bereits am Jubeln, als sich wenige Kurven später ein permanenter Starter von der Strecke kreiselt. Reflexartig versuche ich auszuweichen und trete die Bremse. Fehler! Das Heck reißt rum, ich drehe mich ebenfalls. Erst nachdem das Feld vorbeigezogen ist, reihe ich mich auf der vorletzten Position wieder ein.

 

Ich lasse mich von meinem Fehler nicht aus der Ruhe bringen, finde schnell wieder in den Rhythmus und beginne meine Aufholjagd. Runde für Runde kämpfe ich mich wieder heran und kann schließlich sogar einen Angriff auf die permanenten Starter wagen. Nach zwölf Runden beende ich das erste Rennen auf der 17. Position. Sicherlich nicht das, was ich erwartet habe, aber ich bin dennoch zufrieden. Als drittbester Gastfahrer klettere ich auf das Podium und darf die Sektdusche genießen. Am Nachmittag stehen Debriefing und Meetings an, dann ist der Tag beendet.

Samstag, 28. Mai 2016

Der Samstag beginnt schon früh, denn um 9:55 Uhr startet unser zweites Rennen. Heißt: Um 7 Uhr bereits Frühstück, ehe um 8:30 Uhr das letzte Briefing auf dem internen Zeitplan steht. Um kurz nach 9 Uhr machen wir uns wieder bereit und klettern ins Cockpit. Dann beginnt die gleiche Prozedur wie am Vortag. Weil mir der Ablauf nun bekannt ist, weiß ich bereits, was auf mich zukommt. Doch diesmal gelingt mir der Start nicht. Weil gleiche mehrere Fahrzeuge vor mir zu früh anzucken oder losfahren, bin ich irritiert und vermassele den eigenen Start. Die Drehzahl fällt in den Keller und ich werde bis auf die vorletzte Position zurückgereicht. Nur Heinz Müller, ebenfalls Gaststarter, liegt nach einem Dreher in der ersten Kurve noch hinter mir. Ich kämpfe wieder. Nach wenigen Runden taucht mit Richard Meaden der bestplatzierte Gaststarter vor mir auf. Ich wittere meine Chance auf den Gastfahrer-Sieg und setze nach der Start-Ziel-Geraden zum Überholen an. Doch Meaden schmeißt mir die Tür zu. Ich habe keine Chance die Kollision zu verhindern und treffe den Briten am Hinterrad, der sich daraufhin beinahe von der Strecke dreht. Aber ich bin vorbei und setze meine Aufholjagd fort.

 

Als ich wenig später auf die permanenten Starter aufgeschlossen habe, verliert einer von ihnen die Kontrolle über sein Fahrzeug und fliegt ab. Safety-Car-Phase! Dass ich den Restart ein wenig verschlafe, ändert nichts an meiner Position - weder nach vorne, noch nach hinten. Das zweite Rennen beende ich schließlich auf der 15. Gesamtposition und als bester Gaststarter. Wieder darf ich die Sektdusche genießen. Auf dem Weg zurück in die Audi-Hospitality gratulieren mir die Fans, einige wollen sogar ein Foto mit mir und meinem Pokal. Dass ich eigentlich nur Gaststarter bin, interessiert sie gar nicht. Während des ganzen Wochenendes muss ich immer wieder Autogramme geben. Auf Instagram und Facebook erreichen mich viele positive Nachrichten und Glückwünsche. Ich durfte drei Tage lang meinen Traum leben und bin am Abend traurig, dass es vorbei ist.

Danke, Audi!

 

Fotos: Patrick Funk, Björn Schüller, Audi, Brederlow