Tracktest: European VW Funcup

Ende Oktober fand auf dem Circuit Jules Tacheny im belgischen Mettet das Finale des European VW Funcup statt. Kennt ihr nicht? Dann habt ihr bisher etwas verpasst. Was auf den ersten Blick nach einem alten VW Käfer aussieht, ist ein richtiger Rennwagen: Ich durfte die erste Generation (Evo1) des Markenpokal-Renners zum Tracktest ausführen.

Das Konzept des VW Funcup richtet sich gleichermaßen an Einsteiger und Profis. Das Anfahren klappt – im Gegensatz zu anderen Rennwagen – so problemlos wie beim Privatwagen. Trotzdem vermittelt der Funcup vor allem durch den nach FIA-Normen konstruierten und homologierten Rohrrahmen echtes Rennfeeling. Die zentrale Sitzposition ist in den ersten Runden ungewohnt und erinnert unerfahrene Piloten eher ans Kartfahren. Schon der kernige Sound lässt erahnen, dass es dieser "Käfer" in sich hat: Der rund 750 Kilogramm schwere Rennwagen wird von einem 1,8-Liter-Benzinmotor (130 PS) aus dem VW Golf GTI angetrieben. Eine 5-Gang-H-Schaltung von Audi und innenbelüftete Scheibenbremsen komplettieren das sportliche Gesamtpaket.

 

Auch der Innenraum sieht nach Rennwagen aus: Das Lenkrad lässt sich zum besseren Ein- und Aussteigen sogar abnehmen. Die wichtigsten Anzeigen hat man dabei  immer im Blick, egal ob Öldruck und -temperatur, Drehzahlmesser oder Wassertemperatur. Geschaltet wird bei rund 6.600 Umdrehungen. Gewöhnungsbedürftig ist hingegen der Blick durch die winzige Frontscheibe, die die Sicht zwar einschränkt, beim Fahren aber kaum stört.

 

Bereits auf den ersten Runden kann man sich mit dem Rennwagen gut anfreunden und findet schnell Vertrauen. Auch in schnellen Ecken liegt der Wagen gut auf dem Asphalt und das, obwohl aus Kostengründen mit straßenzugelassenen Serienreifen gefahren wird. Dank Heckantrieb lässt sich der Markenpokal-Flitzer gerne auch quer durch die Kurven treiben. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt rund 205 Stundenkilometer. In weniger als sieben Sekunden beschleunigt der Funcup von null auf einhundert Stundenkilometer.

Wem das noch nicht genug ist: Der Evo3, also die dritte Generation des VW Funcup, wird von einem Zweiliter-Vierzylinder-Formel-3-Motor mit 180 PS angetrieben. Auch Paddleshift und digitales Dashboard sind hier nicht ungewöhnlich. Für alle Dieselfreunde gibt es zudem die Evo2-Klasse, in der alle Fahrzeuge mit einem 1,9-Liter-TDI mit 160 PS starten. Gebaut und verkauft werden die Boliden vom belgischen W Racing Team, das den deutschen Fans unter anderem als werksunterstütztes Audi-Team beim 24h-Rennen auf der Nordschleife bekannt sein sollte. Die Karosserie besteht aus glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK) und lässt sich auch bei Unfällen oftmals problemlos und kostengünstig ersetzen.

 

Für Weicheier ist der Funcup allerdings nicht gemacht: Anti-Blockiersystem (ABS) und Elektronisches Stabilitätsprogramm (ESP) fehlen ebenso, wie die hilfreiche Servolenkung. Bereits nach wenigen Minuten machen sich daher die Arme bemerkbar. Nichts für Warmduscher und vor allem bei Langstreckenrennen, aus denen der Rennkalender des European VW Funcup ausschließlich besteht, eine echte Herausforderung. Aber das Grinsen unter dem Helm ist riesig, der Funcup macht seinem Namen alle Ehre. Kein Wunder, dass sich auch viele Rennprofis, wie etwa DTM-Star Maxime Martin, regelmäßig den Spaß im VW Funcup erlauben.

Technische Daten

>> VW Funcup Evo 1
Motor Reihen-Vierzylinder
Hubraum 1781 ccm
Leistung 130 PS
Antriebsart Hinterrad
Getriebe Fünfgang, H-Schaltung
Reifen (vorn, hinten) 195/50-205/50-R15

Gewicht

rund 750 kg
Beschleun, 0-100 km/h 6,9 s
Höchstgeschwindigkeit 205 km/h
Preis rund 35.000 Euro

 

 


Video: VW Funcup im Tracktest

Fazit

Der erste Eindruck täuscht: Denn mit einem lahmen Käfer hat der Funcup rein gar nichts zu tun. 130 PS klingt für einen Rennwagen nicht viel, macht bei rund 700 Kilogramm Leergewicht allerdings jede Menge Laune. Für die ersten Schritte im Motorsport oder kostengünstige Rennen ist der Funcup genau das Richtige. Wer viel Motorsport für wenig Geld sucht, hat hiermit eine echte Möglichkeit gefunden. Spaßfaktor? Riesig!

Ein großes Dankeschön an Guido und Bastian Krieg sowie das ganze Team für diese Möglichkeit!