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Tracktest: Lamborghini Huracan GT3

Mit einem bösen Blick erwartet mich der Lamborghini Huracan GT3 in der verregneten Boxengasse des Circuit Ricardo Tormo im spanischen Valencia. Ja, eigentlich hatte ich erwartet, dass ich in Spanien von strahlendem Sonnenschein begrüßt werde. Heute ist das leider nicht so. Ein rutschiger Tracktest im spanischen Regen.

Mit seinem giftigen Grün ist der Lamborghini Huracan GT3 schon aus der Ferne zu erkennen. Es kribbelt in den Fingern, die Freude ist groß. Doch bevor ich in das Renncockpit klettern darf, muss ich erst einmal die Strecke kennenlernen - im Lamborghini Aventador, der mehr als 700 PS auf den Asphalt bringt. Warum auch nicht? Lamborghini-Werksfahrer Mirko Bortolotti fährt voraus, ich versuche zu folgen.

Drei Runden. Das reicht.

Als ich mich am Überollkäfig vorbei in den Rennwagen zwänge, fallen dicke Tropfen vom Himmel. Auch das noch. Im Drehzahlbegrenzer rolle ich die Boxengasse hinunter, dann beschleunige ich den GT3-Renner zaghaft auf dem nassen Asphalt. Bloß nichts falsch machen. Doch das Vertrauen ist direkt vorhanden. Langsam steigere ich das Tempo. Die Rundenzeiten werden schneller und das Grinsen unter dem Helm wird größer und größer.

Das GT-Werksengagement von Lamborghini ist noch jung: Der Huracán GT3 (seit 2015) ist der erste GT-Rennwagen, den die Italiener selbst konstruiert haben. Zumindest fast. Aerodynamik und Teile der Aufhängung wurden mit Dallara entwickelt, bei der Antriebseinheit griff man auf die Erfahrung von Konzernschwester Audi zurück. Motor und Getriebe stammen aus dem R8 LMS. Gleiches gilt für Lenkrad, Mittelkonsole und Sicherheitssitz. Das Besondere: Der GT3-Bolide entsteht auf derselben Produktionslinie wie auch die Serienversion des Huracan.

Traktionskontrolle und ABS sind jeweils in zehn Stufen verstellbar und machen den Lamborghini leicht beherrschbar. Aus engen Ecken beschleunigt der GT3-Huracán wie auf Schienen, selbst im niedrigen Drehzahlbereich schiebt das Heck kräftig nach vorn. Der Zehnzylinder hinter dem Fahrer dröhnt, während auf der Beifahrerseite der Kompressor für die Pneumatik bei jedem Gangwechsel aufheult. Der Huracán lässt sich so einfach fahren, als hätte man in seinem Leben nichts anderes gemacht. Der Grund: Der GT3-Renner soll für Amateurpiloten und Profifahrer gleichermaßen geeignet sein.

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Fazit

Der Lamborghini Huracan GT3 ist ein Biest – sowohl optisch als auch technisch. Die Ähnlichkeit zum Audi R8 LMS ist vorhanden. Und doch ist er keine billige Kopie. Im Gegenteil: Der Huracan GT3 ist ein Auto, in das man sich verlieben kann. Auch im Regen von Valencia ist das Auto gut zu beherrschen. Zudem haben die letzten Jahre bereits gezeigt, dass der giftgrüne Supersportler das Potenzial zum Siegen hat. Die Erfolgsgeschichte geht weiter...

Fotos: Lamborghini Squadra Corse