Gedankenspiele: Die Zukunft der DTM?

Der Motorsport in Deutschland steht vor einem großen Fragezeichen: Mercedes steigt Ende 2018 aus der DTM aus. Der Lausitzring ist an die Dekra verkauft. Und die LMP1-Klasse in Le Mans steht vor dem Ende. Wie geht es nun weiter? Gedankenspiele über eine wünschenswerte Zukunft. Aber sind die auch realistisch?

Am Montagabend platzte die Bombe: "Mercedes Benz engagiert sich in Zukunft in der Formel E und verabschiedet sich aus der DTM." Bedeutet der Rückzug der Stuttgarter zugleich das Ende der DTM? Grundsätzlich nein, denn von 2006 bis 2011 hat die Rennserie schon einmal mit nur zwei Herstellern (Audi & Mercedes) durchgehalten. Fakt ist aber auch, dass sich die Verantwortlichen vor einiger Zeit darauf geeinigt hatten, dass die DTM nur mit mindestens drei Herstellern funktionieren kann. Welche Lösungen gibt es also? Ein dritter deutscher Hersteller scheint unwahrscheinlich. Auch Kundenteams gelten aufgrund der hohen Einsatzkosten in der DTM als ausgeschlossen. Das Class-One-Reglement, das eine gemeinsame Zukunft zwischen der japanischen Super GT und der DTM ermöglichen sollte, wurde zuletzt nur halbherzig behandelt - könnte nun aber wieder zum Hauptthema werden. In Asien sind mit Toyota, Nissan und Honda ebenfalls drei Hersteller vertreten.

 

Und auch die LMP1-Klasse steht möglicherweise vor dem Ende. Denn nach dem 24h-Rennen in Le Mans wurde über einen Ausstieg von Porsche diskutiert. Nicht vorstellbar, dass sich Toyota dann als einzig verbliebenes Werksteam mit den privaten LMP1-Boliden duellieren wird. Folgt dann ein Rückzug zu Gunsten der DTM? Vom Toyota-Standort in Köln-Marsdorf aus, könnte das Engagement in der DTM geleitet werden - mit Toyota oder Luxusmarke Lexus.

 

Sollte so schnell aber keine Lösung gefunden werden, steht die DTM vor dem Aus. Immerhin engagieren sich Audi und BMW ebenfalls in der Formel E, BMW steigt im kommenden Jahr auch noch in die WEC ein. Hinzu kommen die Kundensport-Programme in GT3, TCR oder GT4. Nicht ausgeschlossen, dass die DTM dabei an den Nagel gehängt wird...

Was wäre, wenn...?

Und dann? Kann der ADAC mit dem GT Masters die Zukunft des deutschen Tourenwagen-Sports retten? Müssen sie, denn viele Alternativen gibt es nicht. Die Zuschauerzahlen waren in den letzten Jahren nicht überwältigend, könnten durch ein DTM-Aus aber deutlich steigen. Bis zu 18 DTM-Fahrer wären auf der Suche nach einem neuen Job und könnten - wie Maximilian Götz - im ADAC GT Masters unterkommen. Marco Wittman und Timo Glock im RMG-BMW? Gary Paffett und Edoardo Mortara im Mücke-Mercedes? Jamie Green und Mike Rockenfeller im Phoenix-Audi? Ein Schub für die GT-Serie!

 

Gemeinsam mit einem starken TV-Partner würde die Rennserie weiter gewinnen. Der Porsche Carrera Cup würde im Rahmenprogramm eine neue Heimat finden. Bei ausgewählten Rennen könnte auch die Formel 3 EM hinzukommen. Gemeinsam mit Renault Clio Cup, TCR Germany und Formel 4 würden die Fans ein vollgepacktes Motorsport-Event erleben. Braucht man die DTM dann überhaupt noch?

 

Weitere Sorge: Was passiert mit dem Norisring? Der (bisher) einzige Stadtkurs in Deutschland ist ein wichtiger Teil der Motorsport-Geschichte und bislang ausschließlich Austragungsort der DTM-Rennen. Im letzten Jahr war die Strecke zwar auch als Alternative für das Formel-E-Event in Berlin Tempelhof im Gespräch, konnte sich aber nicht durchsetzen. Und das ADAC GT Masters? Für die Rennserie wäre der Norisring keine Unbekannte. 2008 gastierte das GT Masters im Rahmen der DTM schon einmal in Nürnberg. Eine Rückkehr wäre wünschenswert und sicherlich nicht ausgeschlossen.

Stadtrennen am Lausitzring?

Und dann gibt es noch den Lausitzring. Die Dekra hat das Tri-Oval in Brandenburg gekauft und will dort Europas größtes Zentrum für automatisiertes und vernetztes Fahren bauen. Für originalgetreue Tests entsteht dort eine völlig neue Kulisse: Eine Geisterstadt, um so nah wie möglich an der Realität zu sein. Motorsport will die Dekra selbst nicht durchführen, ermöglicht es interessierten Veranstaltern aber, das Gelände zu nutzen und möchte "alles versuchen, den Motorsport weiter möglich zu machen." Bleibt zu hoffen, dass wir uns künftig auf "Stadtrennen am Lausitzring" freuen können - egal ob mit DTM oder ADAC GT Masters.