Neu ab 2020: Tourenwagen Junior Cup für den Nachwuchs

Ein neuer Markenpokal soll ab der Saison 2020 die Lücke zwischen dem Kart- und Automobilsport schließen. Der Tourenwagen Junior Cup richtet sich an junge Nachwuchspiloten, die den Schritt in den Rennsport wagen. Dabei kommt der Volkswagen up! GTI Cup zum Einsatz, ein professionell aufgebautes Rennfahrzeug.

Eine tolle Nachricht für den Nachwuchs: Der Tourenwagen Junior Cup bietet im kommenden Jahr die perfekte Möglichkeit, um den Schritt vom Kart- in den Automobilsport zu wagen. Der neue Markenpokal, der vom ADAC Regionalclub Weser-Ems ausgeschrieben wird, soll kostengünstigen Motorsport bieten. Das Saisonbudget, so sagt es zumindest der Veranstalter, wird die Kosten für eine Saison im Kartsport nicht überschreiten.

Die jungen Talente werden mit einem Volkswagen up! GTI Cup um Rennsiege kämpfen. Der 140 PS starke Rennwagen wird professionell aufgebaut und zu einem Preis unter 25.000 Euro erhältlich sein. Damit soll nicht nur das fahrerische Können, sondern auch das technische Knowhow der jungen Piloten geschult werden. Das Fahrwerk ist höhenverstellbar und bietet sowohl an der Hinter- als auch an der Vorderachse die Möglichkeit, Spur- und Sturzwerte anzupassen. Fahrhilfen gibt es nicht. Stattdessen werden GPS-Datalogger und eine Waagebalken-Bremsanlage eingebaut. Das Einheitsfahrzeug bietet absolute Chancengleichheit. Balance of Performance oder Erfolgsballast soll es im Tourenwagen Junior Cup nicht geben.

Für den Start im Markenpokal ist die internationale D Lizenz sowie ein Mindestalter von 16 Jahren erforderlich. Gleichzeitig dürfen die jungen Piloten zum Zeitpunkt der Einschreibung nicht älter als 25 Jahre sein. In der Saison 2020 können maximale 16 Fahrer starten - sowie viele Autos werden vorerst verkauft.

Pro Wochenende stehen zwei Sprintrennen über 20 Minuten auf dem Programm. Der Rennkalender wird zu einem späteren Zeitpunkt bekanntgegeben. Es sind allerdings acht Veranstaltung in Deutschland und dem benachbarten Ausland geplant.

Mehr Informationen: www.tourenwagenjuniorcup.de

Fotos: Tourenwagen Junior Cup

Fazit: Eine gute Idee, aber...

Ich predige schon lange, dass dem deutschen Motorsport ein aktueller und bezahlbarer Markenpokal fehlt. Selbst die TCR-Serie, deren Grundgedanke es eigentlich war, kostengünstigen Motorsport für Jedermann zu bieten, kann sich kaum ein Rennfahrer leisten. Dass das Interesse am bezahlbaren Motorsport vorhanden ist, zeigt beispielsweise der BMW 318ti Cup, der in den vergangen Jahren stetig gewachsen ist und sich im kommenden Jahr zu einer kleinen "Top-Serie" mit bis zu 30 Fahrzeugen entwickeln könnte. Auch im Ausland funktionieren die Konzepte: In Polen ist das KIA Lotos Race erfolgreich. In den Niederlanden gibt es seit einiger Zeit den Ford Fiesta Cup. Und in Österreich hält sich seit ein paar Jahren der Suzuki Swift Cup auf den Beinen. Mit dem Tourenwagen Junior Cup könnte auch in Deutschland eine neue Basis für bezahlbaren Motorsport geschaffen werden.

Ich bin mehrere Jahre erfolgreich im ADAC Logan Cup gestartet und konnte dort sogar den Meistertitel gewinnen. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass der Rennsport mit den leistungsschwächeren Fahrzeuge oftmals belächelt wird. Auch nach der Ankündigung des Tourenwagen Junior Cup gab es im Netz die üblichen Kommentare. Natürlich: Mit 140 PS sind die Tourenwagen keine Kraftpakete. Na und? Im Logan Cup haben wir uns schon mit 90 PS die Seitenspiegel abgefahren und uns Stoßstange an Stoßstange um die Rennstrecken gejagt. Vor 40 Jahren hat es auch niemanden gestört, dass die Fahrzeuge im Renault Elf Pokal (tolles Video!) lediglich 122 PS hatten. Und wo Top-Fahrer, wie Rene Rast, ihren Ursprung haben, ist auch nicht unbekannt: Im Volkswagen Polo Cup mit 150 PS. Ich war schon damals ein riesiger Fan des Volkswagen Lupo Cups, der sich später mit dem Polo Cup und dem Scirocco Cup fortgesetzt hat. Diese Serien sind eine gute Schule für den Motorsport: Die richtige Linienwahl ist ebenso wichtig, wie technisches Verständnis für das Fahrzeug. Und jeder Fahrfehler wird mit leistungsschwachen Rennwagen doppelt bestraft.

Aus diesem Grund denke ich auch, dass der Tourenwagen Junior Cup eine gute Basis für packenden Motorsport darstellt. Das setzt allerdings voraus, dass eine kompetente Führung dahintersteht, die den Markenpokal in die richtige Richtung lenkt. Ich bin gespannt, wie der Rennkalender aussieht und in welchem Rahmen der Junior Cup im kommenden Jahr starten wird. Eine große Plattform wäre der Serie durchaus wünschenswert: Anstatt mit der DTM Trophy die "drölfte" GT-Serie aus dem Boden zu stampfen, die sich alle gegenseitig die Starter wegnehmen, hätte ein bezahlbarer, spannender Markenpokal im Rahmen der DTM durchaus gute Chancen. TV-Paket und Livestream natürlich inklusive.

Im Moment stört mich am Tourenwagen Junior Cup noch, dass es im ersten Jahr der Serie lediglich 16 Fahrzeuge geben wird und dass alle Piloten, die älter als 25 Jahre sind, ausgeschlossen sind. Natürlich handelt es sich um eine Serie für den Nachwuchs, aber es gibt sicherlich auch Quereinsteiger oder Amateurfahrer, die auf der Suche nach einer passenden Rennserie sind. Meine Wenigkeit nicht ausgeschlossen. Vielleicht reicht es im kommenden Jahr zumindest mal zum Tracktest mit dem Volkswagen up! GTI Cup, um mir selbst ein Bild vom Fahrzeugkonzept und der Serie zu machen. Denn das Potential für einen spannenden Markenpokal ist definitiv vorhanden.